Musiktherapie bezieht in den therapeutischen Prozess als Ausdrucks- und Interaktionsmedium insbesondere das musische Nonverbale mit ein. Damit wird die Kommunikation um einen Aspekt angereichert, sodaß von Verbalsprache zwischenzeitlich oder erforderlichenfalls weitgehend abgesehen werden kann.

Es geht dabei also nicht nur um Musik, sondern um musische Qualitäten, die jede körperliche Bewegung, jeden emotionalen Tonfall, jeden gesprochenen Satz oder jede gesungene Melodie etc. formen. Sie geben dem Ausdruck und der Interaktion eine energetische und dynamische Note. Diese Note vermag emotionale Inhalte spürbar zu vermitteln. Jeder Mensch hat dafür seit frühester Entwicklung ein sehr feines Sensorium.

 

Einerseits kann damit der psychotherapeutische Raum für PatientInnen geöffnet werden, die der Verbalsprache nicht oder nur eingeschränkt mächtig sind. Andrerseits werden auch Schichten, Aspekte oder Anteile jeder Person angesprochen, die jenseits der Verbalsprache liegen. Viele und auch wesentliche Erfahrungsbereiche liegen ebendort.

 

Die klassische Indikation für Musiktherapie betrifft gerade Menschen deren Verbalsprache eingeschränkt oder nicht verfügbar ist. Das betrifft insbesondere diagnostische Felder wie:

 

  • sog. "frühen Störungen"(Psychosomatik, Persönlichkeitsentwicklungsstörungen, Sucht),
  • Intelligenzminderung (Demenz, "geistige Behinderung"),
  • Entwicklungsstörungen des Kindheits und Jugendalters (Verhaltensauffälligkeit),
  • Neurologische PatientInnen (z.B. nach Insult, SHT, Komatöse PatientInnen),
  • Neonatologie
  • Pädiatrische Onkologie (krebskranke Kinder),
  • akute psychiatrische Krisen (Psychosen, Depression, bipolare Erkrankungen)
  • PatientInnen in psychiatrischer Rehabilitation.

 

Abgesehen davon bereichert der musiktherapeutische Ansatz die Psychotherapie für jede PatientIn generell um einen Erlebnisbereich, in welchem Emotionen unmittelbar angesprochen werden, die sich der sprachlichen Erfassung vorerst entziehen.

Ein Sensibilisieren auf den musisch nonverbalen Aspekt im Verhalten verfeinert und differenziert die emotionale Wahrnehmung.